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Als frisch gebackene Mutter bekommt man nicht viel Schlaf. Das ist Fakt. Außerdem wird man verrückt im Kopf. Teilweise wegen des Schlafmangels, teilweise weil du nicht den leisesten Schimmer hast, was du da eigentlich tust. Aber hauptsächlich weil du einfach vor allem Angst hast.

Ich bin zum ersten Mal Mutter. Im Laufe der letzten sieben Monate habe ich mir so oft ein Gerät gewünscht, dass die absurden Gedanken in meinem Kopf aufzeichnen kann - gerade in der Nacht. Ich mache alles, sei es mit einer höheren Macht zu feilschen - und ihn anzubetteln, dass das Baby nur ein bisschen länger schläft - oder überlegen, ob ich nicht vielleicht Sport machen gehe, anstatt zu schlafen.

(Ich hab's euch ja gesagt. Verrückt im Kopf!)

 

So in etwa sieht ein Selbstgespräch in jeder beliebigen Nacht aus:

 

21:00 Uhr: "Ich bin so geschafft. Ich kann es gar nicht erwarten, ein bisschen zu schlafen."

22:30 Uhr: "Das Baby hat schon wieder Hunger?"

23:30 Uhr: "Na los Kind, beeil dich ein bisschen."

23:35 Uhr: "Er ist so süß. Ich liebe diese Zeit mit ihm."

23:45 Uhr: "Das sollte für ein paar Stunden reichen. Wenn ich jetzt ein bisschen schlafe, kann ich morgen Sport machen, einkaufen und eine große Runde mit dem Baby spazieren gehen."

01:00 Uhr: "Schon wieder?"

02:00 Uhr: "Verdammt, ich bin beim Stillen eingeschlafen. Zum Glück ist mir der Kleine nicht aus dem Arm gefallen."

02:05 Uhr: "Gott, bitte lass das Baby bis zum Morgen schlafen."

02:45 Uhr: [Ich höre das Baby husten] „Was war das?" [Ich warte und schaue, ob er anfängt zu weinen. Nichts.] „Was, wenn er erstickt? Er erstickt schon nicht, das würde ich merken."

02:46 Uhr: "Aber er hat nach dem Essen kein Bäuerchen gemacht. Was wenn er im Schlaf spuckt und keine Geräusche machen kann, um mich zu warnen?"

02:47 Uhr: "Ich würde mir nie verzeihen, wenn er plötzlich ersticken würde, weil ich nicht nach ihm gesehen habe. Ach was soll's, ich bin sowieso wach."

02:48 Uhr: [Nachdem ich meinen Finger unter seine Nase gehalten habe, um zu schauen, ob er noch atmet] "Gott sei Dank."

03:25 Uhr: [Höre ein Wimmern über das Babyphon] "Bitte schlaf weiter, bitte schlaf weiter, bitte schlaf weiter."

03:28 Uhr: [Baby schreit] "Verdammt."

03:50 Uhr: "Bitte, bitte, bitte! Schlaf endlich wieder ein!"

04:00 Uhr: "Er ist so wunderschön und friedlich, wenn er schläft. Ich schaukle ihn noch ein paar Minuten."

04:10 Uhr: [Zurück im Bett] "Ich bin so müde." [Baby schreit]

04:11 Uhr: Seufz.

04:15 Uhr: "Gott sei Dank, er wollte nur seinen Schnuller."

[Über die nächsten fünf Minuten beobachte ich das Babyphon, um sicherzugehen, dass er schläft. Tut er. Zurück ins Bett]

04:21 Uhr: [Baby wird unruhig]

04:22 Uhr: "Ernsthaft?! Dieses Kind hat einen sechsten Sinn für den Moment, in dem mein Kopf das Kissen berührt."

04:24 Uhr: [Ich gebe ihm seinen Schnuller zurück]

04:28 Uhr: [Höre kein Saugen im Babyphon. Baby schreit]

04:30 Uhr: "Ich hasse diesen blöden Schnuller."

05:00 Uhr: "Warum ist er noch nicht wieder wach? Oder macht Krach? Ich schaue besser mal nach."

[Halte dem Baby meinen Finger unter die Nase. Er atmet noch und schläft tief und fest]

05:01 Uhr: "Ich hab dich so lieb." [Schluchze ein wenig]

05:05 Uhr: [Zu mir selbst] "Warum heulst du auf einmal? Und warum stehst du hier und starrst ihn an wie so ein Irrer? Geh schlafen solange er schläft!"

05:09 Uhr: [Baby schreit]

05:10 Uhr: "Ich wusste er bekommt bald Hunger."

05:11 Uhr: "Warum ist mein Mann eigentlich noch nicht wach geworden, um nachzusehen, ob sein Baby - ODER SEINE FRAU - etwas braucht?"

05:15 Uhr: "Vielleicht gehe ich morgen erst einkaufen und danach spazieren."

05:25 Uhr: [Baby ist beim Stillen eingeschlafen]

05:26 Uhr: "Er ist so süß, wenn er schläft. Ich könnte ewig so sitzen bleiben."

05:30 Uhr: "Ich sollte seine Windel wechseln, möchte ihn aber ungern aufwecken. Ich warte einfach noch ein bisschen."

[Lege ihn wieder hin, gehe zurück ins Bett]

05:40 Uhr: "Aber was, wenn er sich mit der vollen Windel nicht wohl fühlt? Ich sollte ihn wickeln."

05:45 Uhr: "Echt jetzt, warum ist mein Mann nicht ein Mal wach geworden? So ein Blödmann."

05:50 Uhr: "Seht ihn euch an, schläft tief und fest. Muss schön sein. Ich werde heute Morgen kein Wort mit ihm reden. Oh, warte. Es ist ja schon Morgen. Ich war nur die ganze Nacht wach."

06:00 Uhr: "Ich sollte einfach aufstehen und unter die Dusche springen."

07:00 Uhr: [Höre ein Grunzen aus dem Babyphon. Schaue nach. Er versucht, sich aus der Windel zu befreien.]

07:02 Uhr: [Gehe in sein Zimmer. Er strahlt von einem Ohr zum anderen und ich vergesse, dass ich nur zwei Stunden geschlafen habe. Und, dass ich vor wenigen Stunden versprochen habe, mein erstes Enkelkind Rumpelstilzchen zu opfern, wenn ich dafür nur ein bisschen schlafen dürfte]

"Hallo Schätzchen, hast du gut geschlafen? Ich hab dich lieb, dich lieb, dich lieb."

07:05 Uhr: "Ich glaube, wir bleiben heute einfach zu Hause."

 

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Nils Werner aus dem Englischen übersetzt.

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